Industriellenvereinigung ruft ‚Jahr der Entscheidungen‘ aus

Lustenau, 07.01.2019 - Ein Zukunftsbild ‚Big Picture‘ für Vorarlberg

IV-Vorarlberg Präsident Martin Ohneberg bei der Präsentation des ,Big Picture'.

Der Standort Vorarlberg befindet sich für die Industriellenvereinigung (IV) am richtigen Weg, nämlich in Richtung Exzellenz. Bei einer umfassenden Recherche, der Einbindung der IV-Mitglieder und qualitativen Interviews mit über 40 hochrangigen Experten aus Industrie, Politik, Medien, digitalen Startups, Tourismus, Kultur und Arbeitnehmervertretung im zweiten Halbjahr 2018 entstand jedoch einhellig der Konsens, dass in Vorarlberg in Punkto Standortattraktivität noch viel zu tun ist und ein großes Zukunftsbild ‚Big Picture‘ fehlt.

Ein solches ‚Big Picture‘ präsentierte Martin Ohneberg, Präsident der IV-Vorarlberg, beim traditionellen Neujahrsempfang am 7. Jänner vor 450 geladenen Entscheidungsträgern. Der Appell des IV-Präsidenten: „Vieles in Vorarlberg ist entscheidungsreif. Wenn diese Entscheidungen mutig getroffen und konsequent umgesetzt werden, kann Vorarlberg zu den wettbewerbsfähigsten und lebenswertesten Standorten in der Region und Europas aufschließen. Vorarlberg braucht dazu aber ein großes Zukunftsbild – ein ‚Big Picture‘ – wie wir es erstmals vorstellen. Auf Bundesebene brauchen wir eine anhaltende Reformdynamik, auf EU-Ebene einen positiven Zugang zu einem gemeinsamen Europa.“

Strategisches Controlling für die Politik in vier operativen Handlungsfeldern
Die erarbeiteten und beim Neujahrsempfang präsentierten Handlungsempfehlungen umfassen eine Bewertung und inhaltliche Anpassung sämtlicher für den Standort relevanten Maßnahmen. Erstmals wurde zusätzlich ein strategisches Controlling eingeführt, das die Umsetzung am Standort Vorarlberg unterstützen soll. Dazu wurden alle Maßnahmen aus der Industriestrategie „Vom Mittelmaß zur Exzellenz“ aus dem Jahr 2016 mit dem Status im Jahr 2019 gegenübergestellt. Die Detailanalyse aller Maßnahmen unterstreicht, dass vieles in Vorarlberg entscheidungsreif ist. Die Details sind im neu aufgelegten Folder ‚Mittelmaß oder Exzellenz?‘ (2019) nachzulesen, allgemein lässt sich in den vier operativen Handlungsfelder zusammenfassen:

  1. Verwaltung, Raumplanung, Mobilität: Ganz wesentlich für eine ganzheitliche Herangehensweise am Standort ist die gemeinsame Betrachtung dieser Themen. Mit dem Beschluss des Raumbild 2030 und dem Mobilitätskonzept des Landes stehen 2019 wichtige Weichenstellungen an. Konkrete Projekte sind im folgenden Zukunftsbild ‚Big Picture‘ ersichtlich.
  2. Marke Vorarlberg: Mit dem Ziel „2035 ist Vorarlberg der chancenreichste Lebensraum für Kinder“ wurde eine geeignete Markenstrategie festgelegt, der nun Taten, konkrete (Leuchtturm)-Projekte und eine umfassende Kommunikationsstrategie folgen müssen.
  3. Bildung & qualifizierte Mitarbeiter: Im Bildungsbereich braucht der Standort neben dem Ausbau der Betreuungsangebote einen Fokus auf die Kulturtechniken, eine fundierte Allgemeinbildung, bessere Englischkenntnisse, ein hohes Image der dualen Ausbildung und eine Forcierung der MINT-Fächer. Bei der tertiären Bildung sind neue Kooperationen mit renommierten Hochschulen – z.B. mit der HSG (Uni St. Gallen) – erwünscht.
  4. Innovation & Digitalisierung: Die Entwicklung eines Ökosystems für Innovation und Digitalisierung wird für den Standort als zentral erachtet. Wie schon 2016 aufgezeigt, braucht es ein Impulszentrum/Digital Hub und eine offenere Innovationskultur zwischen den Unternehmen.

Neues Zukunftsbild ‚Big Picture‘ für Vorarlberg
Um eine ganzheitliche Sicht auf den Wirtschafts- und Lebensraum sicherzustellen, zeichnet die IV-Vorarlberg ein großes Zukunftsbild – ein ‚Big Picture‘ für Vorarlberg – das es so noch nicht gegeben hat.

Beim IV-Konzept „Vorarlbergs urbaner Weg“ (2017) wurde Vorarlberg in zwei Einheiten unterteilt: In ‚Vorarlberg Stadt‘ als Ballungsraum mit den 2 Regionen Rheintal und Walgau. Und in ‚Vorarlberg Land‘, den 7 Talschaften abgehend vom Ballungsraum, also Bregenzerwald, Montafon, Leiblachtal, Kleinwalsertal, Arlberg/Klostertal, Großes Walsertal und Brandnertal. Im aktuellen Entwurf der Landesregierung vom Raumbild 2030 wurde dieser Logik der 9 Regionen gefolgt, innerhalb derer kooperiert werden sollte bzw. muss.

IV-Präsident Ohneberg: „Wir sehen im Entwurf des Raumbild 2030 erstmals die Basis für ein großes Zukunftsbild mit einer zukunftsweisenden Struktur. Wir müssen ein gemeinsames Vorarlberg in den Vordergrund stellen, ohne die identitätsstiftenden Gemeinden aufzugeben.“

Aufbauend auf dieser Struktur wurden 10 Projekte mit besonderem Handlungsbedarf in das ‚Big Picture‘ eingezeichnet:

  1. Landesgrünzone überarbeiten: Nach über 40 Jahren ist es an der Zeit strategisch zu überlegen, wo welche Entwicklung im Ballungsraum Rheintal und Walgau stattfinden soll.
  2. S18-Nachfolgelösung realisieren: Die Problematik ist bestens bekannt, der Standort Vorarlberg braucht diese hochrangige Straßenverbindung in die benachbarte Schweiz.
  3. FH & HSG Vorarlberg weiterentwickeln: Eine echte Kooperation Vorarlbergs und der FH mit der HSG St. Gallen oder anderen renommierten Hochschulen kann den Wettbewerbsnachteil einer fehlenden Universität innovativ und intelligent verbessern.
  4. Überregionale Mobilität verbessern: Die Verbesserung der überlasteten Verkehrsknoten nach D, CH, FL, Tirol und in die Talschaften ist für den Standort essentiell.
  5. A14 als Stadtautobahn umsetzen: Die Verkehrsader A14 sollte als Stadtautobahn mit mehr und funktionierenden Auf- und Abfahrten umgesetzt werden.
  6. Öffentliche Infrastruktur (Bahnnetz und Breitband) ausbauen: Der Ausbau des Schnell-Bahn-Netzes von Tirol bis Lindau, nach St. Margarethen oder nach Buchs sind ebenso wie der Breitbandausbau für die nächsten Jahre standortentscheidend.
  7. Impulszentrum/Digital Hub ernsthaft verwirklichen: Ein digitales Ökosystem für Innovation und Digitalisierung und eine offenere Innovationskultur zwischen den Unternehmen müssen in einem zentralen oder dezentralen Impulszentrum/Digital Hub örtlich verankert werden.
  8. Innovative Projekte umsetzen – z.B. Wälderbahn: Auch innovative, unkonventionelle Leuchtturmprojekte wie die Wälderbahn als Verbindung von Ballungsraum und ländlichem Raum müssen zugelassen werden. Die Streckenführung am Campus bietet sich zudem an.
  9. Naherholungsgebiete gesamthaft entwickeln z.B. Central Park im Rheintal, Rhesi, das Bodenseegebiet, die Berge und Täler: Naherholungsgebiete und Destinationen sollten im Sinne einer gemeinsamen Marke Vorarlberg – in Einklang zwischen Wirtschaft, Sozialem, Kulturellem und Umwelt – ganzheitlich entwickelt werden.
  10. Höher und dichter bauen: Mehr Höhe und Dichte ermöglichen leistbaren Wohnraum, Betriebsentwicklungen und öffentliche Räume.

Für Präsident Martin Ohneberg sind all das Projekte, die in die Marke Vorarlberg „2035 ist Vorarlberg der chancenreichste Lebensraum für Kinder“ einzahlen. Daher der deutliche Appell des IV-Präsidenten zu Jahresbeginn: „Denken wir größer, über die Grenzen hinaus. Machen wir Mittel frei, um auch tatsächlich in die Zukunft zu investieren. Treffen wir mutige Entscheidungen im Jahr 2019. Rücken wir näher zusammen und gestalten wir gemeinsam und aktiv die Zukunft Vorarlbergs.“

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