Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie
Industriekonjunktur kippt wieder

„Die aktuellen Umfrageergebnisse zur Industriekonjunktur in Vorarlberg sind besorgniserregend. Unser Standort steht vor einer schleichenden Deindustrialisierung, wenn Standortnachteile nicht beseitigt werden. Das präsentierte Doppelbudget 2027/28 der Bundesregierung hilft dabei nur sehr bedingt“, fasst Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, die Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie für das 1. Quartal 2026 zusammen.
Der Geschäftsklimaindex fällt von +13 auf -9,1 Prozent-Punkte. Damit befindet sich dieser Index, der das Mittel der derzeitigen und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten zeigt, wieder deutlich im negativen Bereich und ein Aufschwung ist nicht in Sicht.
Die aktuelle Geschäftslage
28 Prozent der Vorarlberger Industriebetriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Nur 7 Prozent beurteilen sie als gut. Zwar ist sie aktuell für 65 Prozent durchschnittlich, verbessert sich jedoch in den nächsten sechs Monaten nicht. Eine Veränderung der neuerlich frostigen Lage ist nicht in Sicht. Dramatisch sind zudem die Einschätzungen der derzeitigen und künftigen Ertragslage. „Die Erträge brechen weg, 31 Prozent der Unternehmen sehen eine negative Entwicklung ihrer Erträge, der Saldo dreht stark von +21 auf -31 Prozentpunkte“, erklärt Amann. Weiterhin schwach ist der Auftragsbestand. Die Auslandsaufträge werden von keinem Unternehmen als gut erachtet. Hinsichtlich der Produktionstätigkeit in drei Monaten hat sich der Saldo massiv verschlechtert (von +7 auf -35 Prozentpunkte). „Insgesamt verstärkt sich die Sorge um den Industriestandort, da sich Unternehmen zunehmend nach alternativen Perspektiven innerhalb und außerhalb Europas umzusehen beginnen.“
Lohnnebenkosten stärker senken
Analysen des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigen, dass sich die Lohnstückkosten – diese sind der beste Vergleichswert für die Wettbewerbsfähigkeit - in Österreich in den vergangenen Jahren deutlich stärker angestiegen sind als in vergleichbaren Ländern. Dadurch hat sich die Produktivität gegenüber wichtigen Handelspartnern massiv verschlechtert. Die von der Bundesregierung angekündigte, leichte Senkung der Lohnnebenkosten geht in die richtige Richtung, dürfte für eine Trendwende jedoch viel zu gering sein. Durch die vom Finanzminister erzwungene Gegenfinanzierung, u.a. über eine höhere KÖSt, werden die Vorteile gleich wieder zerstört. „Das führt zu weniger Investitionen und gefährdet auch weiterhin Arbeitsplätze. Geld ist in den öffentlichen Haushalten, durch den enorm hohen Staatsanteil, ausreichend vorhanden. Diese Mittel müssen allerdings auch standortsichernd und nicht nur umverteilend eingesetzt werden,“ stellt Amann klar.
Branchen-Primus Lebensmittelindustrie kommt ebenfalls unter Druck…
Die Vorarlberger Lebensmittelindustrie, die in den vergangenen Quartalen immer mit positiven Ergebnissen aufwarten konnte und stabilisierend wirkte, schwächelt diesmal massiv. 41 Prozent der Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht.
„Das sind unerfreuliche Botschaften, wenn eine bislang stabile Branche wie die Lebensmittelindustrie derart unter Druck gerät“, sagt der Amann und erklärt:
Kurzfristiges wirtschafts- und energiepolitisches Denken verschärfe die Situation zusätzlich. Michael Amann kritisiert, dass ein ernsthaftes Bekenntnis zur Energieautonomie Vorarlbergs mit der Ablehnung zentraler regionaler Energieprojekte – wie jenem von Rondo Ganahl – nicht vereinbar sei. Die Entscheidung der Gemeinde Frastanz sei gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten nicht nachvollziehbar und von Angstmacherei getrieben. Insgesamt schade diese Haltung nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Gemeinde selbst und dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg.
An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg haben sich 30 Unternehmen mit 19.683 Beschäftigten beteiligt.
Zur Umfragemethode: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %-Anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den %-Anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.



