Eine Milliarde Euro Schulden sind eine Milliarde Gründe für Reformen

Vorarlbergs Landesschulden sollen 2027 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten. Für das kommende Jahr sind neue Kredite in Höhe von 185 Millionen Euro angekündigt. „Vor Corona lag der Schuldenstand des Landes noch bei rund 110 Millionen Euro. Das bedeutet, dass sich der Schuldenstand innerhalb der letzten Jahre fast verzehnfacht hat. Vorarlberg war immer für seine nachhaltigen Finanzen bekannt. Dass dieser Anspruch innerhalb von nur wenigen Jahren verloren gehen kann, ist erschreckend“, so Kilian Dorner, Vorsitzender der Jungen Industrie (JI) Vorarlberg. 

Doch nicht nur das Land steht unter massivem finanziellem Druck. Land und Gemeinden kamen 2024 zusammengerechnet auf etwa 4.290 Euro Schulden pro Kopf. 2025 bereits auf 5.012 Euro. Das entspricht einem Schuldenstand von gut zwei Milliarden Euro und einem Anstieg um knapp 17 Prozent innerhalb eines Jahres. Die 96 Vorarlberger Gemeinden überschritten bereits 2024 erstmals gemeinsam die Milliardengrenze. Pro Kopf sind sie damit die am höchsten verschuldeten Gemeinden Österreichs. Nur Wien, das gleichzeitig Land und Gemeinde ist, weist einen höheren Wert auf.

Was diese Entwicklung für den Standort bedeutet, zeigt schon der Blick auf die Zinsen: Die Aufwendungen des Landes für Zinsen stiegen allein vom Rechnungsjahr 2024 von rund 1,2 Millionen Euro auf über 11,8 Millionen Euro im Voranschlag 2026. Das ist fast eine Verzehnfachung und entspricht über 32.000 Euro pro Tag.

„Eine Milliarde Euro Schulden beweist: Die aktuellen Bemühungen der Landesregierung reichen bei Weitem nicht aus. Wir brauchen eine massive Kurskorrektur anstelle von Schönheitskorrekturen. Je höher die Schulden und Zinszahlungen werden, desto weniger Spielraum bleibt uns für Investitionen in der Zukunft. Das Land und die Gemeinden müssen endlich den Mut zu tiefgreifenden Reformen aufbringen“, so Dorner. 

Für die junge Generation geht es dabei um weit mehr als eine abstrakte Budgetzahl. Sie trägt die langfristigen Konsequenzen der Entscheidungen, die heute getroffen oder aufgeschoben werden. Gleichzeitig droht sie zur ersten Generation mit realen Wohlstandsverlusten zu werden. Immer höhere Schulden schränken ihre künftigen Gestaltungsmöglichkeiten zusätzlich immer weiter ein.

Die JI-Vorarlberg fordert deshalb erneut Reformen auf allen politischen Ebenen:

  • Reformen auf Bundesebene vorantreiben: Das Land muss notwendige Reformen im Bund aktiv einfordern und unterstützen und darf selbst nicht als Bremser auftreten.

  • Verwaltungsapparat zurückfahren: Die Landesverwaltung muss auf ein effizientes und finanzierbares Niveau reduziert werden. Doppelgleisigkeiten müssen beseitigt und Verwaltungsfusionen konsequent vorangetrieben werden.

  • Bürokratie abbauen und digitalisieren: Verfahren müssen vereinfacht, beschleunigt und durchgängig digital abgewickelt werden.

  • Förderungen radikal evaluieren und streichen: Förderungen müssen nach Wirkung, Zielgenauigkeit und Notwendigkeit beurteilt werden. Was keinen nachweisbaren Mehrwert schafft, muss abgeschafft werden.