Kommentar von IV-Geschäftsführer Simon Kampl
In meiner Funktion sitze ich im Landesdirektorium des AMS. Seit Monaten höre ich dort dasselbe Thema: Wie schaffen wir es, ältere Menschen länger im Erwerbsleben zu halten? Denn wer einmal über 60 ist und den Job verliert, hat oft keine zweite Chance mehr.
Deshalb hat die Sozialministerin die „Aktion 55+“ gestartet: 50 Millionen Euro, um 3.000 bis 6.000 Jobs für ältere Arbeitslose zu schaffen. Ein Signal gegen Altersarbeitslosigkeit – zumindest auf den ersten Blick.
Denn im neuen Doppelbudget der Bundesregierung steht gleichzeitig: Die Beitragsbefreiung zum Familienlastenausgleichsfonds für über 60-Jährige fällt. Heißt: Unternehmen zahlen für ältere Beschäftigte künftig wieder 2,7 Prozent mehr an Lohnnebenkosten. Genau jene Menschen, die wir länger im Erwerbsleben halten wollen, werden damit teurer.
Und parallel dazu wird uns die Senkung der Lohnnebenkosten als großer Erfolg verkauft. Ja – wichtig und richtig. Aber die Realität ist eine andere: 2027 steigen die Lohnnebenkosten durch genau diese Maßnahme zunächst einmal. Erst 2028 kommt dann eine Entlastung.
Im Klartext: Zuerst verteuern wir Arbeit – und feiern uns gleichzeitig für ihre Entlastung. Das sind die strukturellen Antworten, die wir in dieser Situation brauchen? Jetzt braucht man also wieder Förderprogramme, um Effekte zu kompensieren, die man selbst verursacht hat.
Politics made in Austria, 2026: Erst erkennt man ein Problem; Altersarbeitslosigkeit. Dann fördert man seine Bekämpfung – und schafft parallel neue Hürden, die exakt dieses Problem wieder verschärfen. Wer so Politik macht, darf sich über sinkendes Vertrauen nicht wundern


