Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist die falsche Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit

Debatte um Arbeitszeitverkürzung in der aktuellen Situation völlig deplatziert und realitätsfremd.
IV-Präsident Hartmann
Die Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg sieht die Forderung des Interregionalen Gewerkschaftsrats Bodensee nach einer generellen Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich äußerst kritisch. Für IV-Präsident Elmar Hartmann geht die Debatte an den aktuellen Herausforderungen des Standorts Österreich vorbei.
Österreich befindet sich im dritten Rezessionsjahr, verliert laufend an Wettbewerbsfähigkeit und kämpft mit steigenden Arbeitskosten. Im internationalen IMD-Wettbewerbsranking ist Österreich innerhalb weniger Jahre von Platz 16 auf Platz 29 zurückgefallen. „Mich lässt diese Diskussion ehrlich gesagt etwas fassungslos zurück. In Deutschland baut Volkswagen derzeit zehntausende Arbeitsplätze ab, ganze Industriestandorte stehen zur Disposition und Österreich rutscht im internationalen Wettbewerb immer weiter zurück. Und ausgerechnet jetzt wird darüber diskutiert, wie wir Arbeit weiter verteuern können.“ Für Hartmann ist klar: „Eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich bedeutet nichts anderes als höhere Arbeitskosten pro Stunde und eine Steigerung der Inflation. Können wir uns das derzeit leisten? Aus Sicht der Industrie lautet die Antwort klar: Nein.“
Für Hartmann bleibt die zentrale Frage der Gewerkschaftsforderung zudem unbeantwortet: „Wer weniger arbeiten und gleichzeitig gleich viel verdienen möchte, muss erklären, wer die Rechnung bezahlt. Am Ende bleiben dafür nur drei Möglichkeiten: die Unternehmen, die Kunden oder der Steuerzahler.“ Österreich zählt bereits heute zu den Ländern mit den höchsten Arbeitskosten Europas. Gleichzeitig sind die Arbeitskosten in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als in vielen wichtigen Wettbewerbsländern.
Arbeitszeitverkürzung schafft keine einzige Pflegekraft
Besonders kritisch sieht die IV die Auswirkungen auf jene Bereiche, die bereits heute unter massivem Personalmangel leiden. „Wenn ein Krankenhaus die gleiche Versorgung mit weniger Arbeitszeit sicherstellen soll, braucht es mehr Ärzte und Pflegekräfte. Wenn die Polizei die gleiche Präsenz gewährleisten soll, braucht es mehr Polizisten. Die entscheidende Frage lautet also: Woher sollen diese Menschen kommen? Und wie soll die öffentliche Hand für diese Mehrkosten aufkommen? Diese Antwort bleiben die Befürworter schuldig.“
Das Teilzeitproblem löst man nicht mit noch weniger Arbeit
Hartmann widerspricht auch dem Argument, eine Arbeitszeitverkürzung sei ein geeignetes Mittel gegen die hohe Teilzeitquote. „Viele Menschen arbeiten nicht deshalb Teilzeit, weil sie Vollzeit grundsätzlich ablehnen. Oft lohnt sich Mehrarbeit finanziell einfach zu wenig.“ Ein wesentlicher Grund dafür liege im österreichischen Steuer- und Abgabensystem. „Wer seine Arbeitszeit deutlich erhöht, spürt davon netto oft deutlich weniger als erwartet. Wenn wir mehr Vollzeit wollen, müssen wir dafür sorgen, dass sich zusätzliche Arbeit wieder stärker auszahlt. Das Teilzeitproblem löst man nicht, indem man Arbeit insgesamt weiter reduziert,“ so Hartmann abschließend.

