Regionale Wettbewerbsfähigkeit - Vorarlberg in der Liga der Regionen

IV-Sommerempfang: Vorarlberg verbessert sich – fällt aber trotzdem zurück.

Beim traditionellen Sommerempfang der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Jungen Industrie standen in diesem Jahr die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und ein datenbasierter Vergleich mit europäischen Regionen im Mittelpunkt. Zentrales Ergebnis: Vorarlberg verbessert sich in absoluten Zahlen zwar leicht, verliert im europäischen Vergleich aber an Tempo – und fällt im Ranking zurück.

Wo steht Vorarlberg? Platz 66 von 234 europäischen Regionen

Über 350 Gäste aus Industrie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft folgten der Einladung in den Business Club des SCR Altach. Passend zum Veranstaltungsort stellte die IV den Abend unter das Motto „Leistung“ und knüpfte dabei bewusst an den Wettbewerbscharakter von Spitzensport und Standortentwicklung an.

IV-Geschäftsführer Simon Kampl eröffnete den Abend mit einer klaren Einordnung: „Am Ende zählt, wo wir im Vergleich zu anderen Regionen stehen.“ Auf dieser Basis hat die IV-Vorarlberg eine umfassende eigene Analyse erstellt. Grundlage dafür ist der Regional Competitiveness Index (RCI) der Europäischen Kommission, der alle drei Jahre rund 70 Indikatoren für 234 Regionen vergleicht. Da die aktuellen Ergebnisse erst im Herbst 2026 veröffentlicht werden, hat die IV-Vorarlberg die neuesten verfügbaren Daten selbst ausgewertet und zu einem aktualisierten Gesamtranking zusammengeführt.

Präsident Elmar Hartmann präsentierte die Ergebnisse: „Wir haben die aktuellsten verfügbaren Daten für alle 234 europäischen Regionen ausgewertet und daraus ein aktuelles Ranking erstellt.“ Das Ergebnis: Vorarlberg liegt aktuell auf Platz 66 von 234 Regionen. Der Indexwert ist zwar gestiegen – von 110,6 auf 113,7. Dennoch hat Vorarlberg im Ranking im Vergleich zum Jahr 2022 Plätze verloren. „Wir machen zwar leichte Fortschritte. Aber andere sind schneller. Wenn wir drei Schritte nach vorne machen und die anderen fünf – dann fallen wir zurück. Genau das passiert derzeit“, so Hartmann.

Rückgang im Vergleich mit ähnlichen Standorten

Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung im Vergleich mit strukturell ähnlichen Industrieregionen in Europa. Dafür hat die IV-Vorarlberg aus den 234 Regionen jene 83 ausgewählt, die sich durch eine hohe Industriequote, vergleichbare Wirtschaftsstruktur und ähnliche Rahmenbedingungen auszeichnen. In einem eigens erstellten Ranking liegt Vorarlberg auf Platz 34 von 83 Regionen – nach Platz 29 im Jahr 2022.

Während sich zentrale Kennzahlen wie Produktivität, Beschäftigung und Bildungsabschlüsse teilweise verbessert haben, zeigen sich Schwächen bei digitalen Kompetenzen, Basisbildung und der wirtschaftlichen Verwertung von Innovationen. „Unser Standort ist grundsätzlich solide aufgestellt. Aber im Vergleich fehlt zunehmend die Dynamik. Die Analyse zeigt sehr klar: Der Reformstau in der Politik wird immer sichtbarer – während andere Regionen schneller handeln und damit an uns vorbeiziehen“, so Hartmann.

Dänemark als Referenz für strukturelle Reformen

Als Benchmark nennt die IV-Vorarlberg Dänemark: Alle fünf dänischen Regionen befinden sich konstant im oberen europäischen Drittel. Im IMD World Competitiveness Ranking 2026 belegt Dänemark Platz 6 – Österreich steht auf Platz 29, nach Platz 19 im Jahr 2021 und Platz 11 im Jahr 2007.

Der Vergleich im Detail macht die strukturellen Unterschiede deutlich: Ob im Pensionssystem, der Kinderbetreuungsquote, dem Staatshaushalt, der Anzahl der Gemeinden/Kommunen oder der Krankenhäuser. „Dänemark steht vor den gleichen Herausforderungen wie wir – Demografie, Fachkräftemangel oder Energiekosten. Der Unterschied liegt nicht in den Problemen, sondern im Umgang damit - und in konsequenten Reformen. Dänemark zeigt, dass kleine Länder durch konsequente Reformen dauerhaft zur europäischen Spitze gehören können.“, betont Hartmann.

Leistung und Reformfähigkeit entscheidend

Aus Sicht der IV-Vorarlberg sind die Erfolgsfaktoren klar: Effizienz staatlicher Strukturen, Investitionen in Bildung und Innovation sowie langfristig ausgerichtete Politik. „Nicht die Größe von Systemen ist entscheidend, sondern deren Qualität. Erfolgreiche Standorte passen ihre Strukturen laufend an neue Realitäten an – unabhängig von politischen Zyklen“, so Hartmann. 

Gleichzeitig fordert die IV mehr Reformdynamik in Österreich: „Leistung ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Entscheidungen. Und diese Entscheidungen müssen getroffen werden.“

Zum Abschluss stellte Hartmann die zentrale Frage in den Raum: „Wo soll Vorarlberg im Jahr 2030 stehen? Der Standort hat das Potenzial, aufzusteigen. Voraussetzung ist aber, dass wir bereit sind, Leistung konsequent einzufordern und notwendige strukturelle Reformen umzusetzen. Leistung ist kein Zufall. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss Reformen genauso ernst nehmen wie Innovationen.“