Positive und negative Signale beim Comeback der Industrie

39 Vorarlberger Unternehmen mit über 24.000 Beschäftigten haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer im dritten Quartal 2020 beteiligt. Der Geschäftsklimaindex der Vorarlberger Industrie, also der Mittelwert der Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten, wechselt nach dem beispiellosen Absturz im ersten Halbjahr 2020 vom Negativen ins Positive. Nach -14,50 Prozentpunkten im zweiten Quartal, ist der Geschäftsklimaindex mit 19,50 Prozentpunkten aktuell erfreulicherweise wieder deutlich positiv (siehe Grafik).

IV-Vorarlberg Geschäftsführer Mathias Burtscher

Das liegt vor allem daran, dass die derzeitige Geschäftslage, der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge deutlich positiver eingeschätzt werden, als noch vor einigen Monaten. Knapp über die Hälfte der Betriebe (54 Prozent) beurteilen die aktuelle Geschäftslage und den derzeitigen Auftragsbestand (53 Prozent) als gut. Trotzdem schätzen 16 Prozent die derzeitige Geschäftslage und 12 Prozent den Auftragsbestand als schlecht ein. Für Mathias Burtscher, Geschäftsführer der IV-Vorarlberg, ist das ein klarer Hinweis, dass die Auswirkungen auf die Betriebe sehr unterschiedlich sind: „Selbst innerhalb der Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede, da die Betriebe unterschiedlich von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen sind. Betriebe, die beispielsweise stark mit dem Tourismus verbunden sind, von Neu- und Folgeaufträgen abhängig sind oder einen hohen Dienstleistungsanteil in den Absatzmärkten anbieten, sind eindeutig stärker betroffen. Dort wirken sich Reisebeschränkungen und Unsicherheiten auf ihren Absatzmärkten überproportional negativ aus“.

Beim Ausblick der Geschäftslage in sechs Monaten sind die Einschätzungen weiterhin zurückhaltend und von großer Unsicherheit geprägt. 84 Prozent sehen eine etwa gleichbleibende Entwicklung, von einer günstigeren Geschäftslage sprechen nur neun Prozent. Auch wenn 92 Prozent der Betriebe aktuell davon ausgehen, dass sie ihren Beschäftigtenstand in drei Monaten in etwa halten können, soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass 7 Prozent Mitarbeiter aufgrund der Corona-Epidemie abbauen müssen, um einen erfolgreichen Fortbestand ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten sicherzustellen. Burtscher: „Viele Betriebe haben in den letzten Jahren massiv neue Arbeitsverhältnisse für die Menschen in Vorarlberg geschaffen. Je schneller sich die Betriebe auf das neue Marktumfeld und die neuen Gegebenheiten anpassen, umso schneller können sie künftig wieder Mitarbeiter einstellen und bestehende Arbeitsverhältnisse sichern. Es gilt gemeinsam am Comeback der Industrie zu arbeiten.“

Weiteren Lockdown verhindern – Leben aufrechterhalten – schnelles Freitesten ermöglichen
„Die Industrie und die verbundenen Betriebe unternehmen sehr viel, um ihre Beschäftigten vor der Ausbreitung der Covid-Pandemie zu schützen. Das zeigt sich auch in Vorarlberg dadurch, dass die meisten Ansteckungen im privaten Bereich und nicht im Arbeitsumfeld passieren. Es gilt daher, wesentliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Schulen und die Wirtschaft unbedingt aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig gilt es aber sehr umsichtig miteinander umzugehen, um einen neuerlichen Lockdown zu verhindern“, fasst IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher das Credo der aktuell heiklen Phase zusammen. Aus Sicht der Wirtschaft müsse es auch dringend ermöglicht werden, sich freiwillig frei zu testen und generell die Anzahl der Personen in Quarantäne möglichst geringzuhalten sowie Quarantänezeiten zu verkürzen.

Trends in den Branchen

  • Die in Vorarlberg dominante Maschinen- und Metallindustrie spiegelt das Ergebnis der allgemeinen Konjunkturlage wider. Die derzeitige Geschäftslage ist großteils gut, der Ausblick verhalten, doch die Betroffenheit einzelner Betriebe ist sehr unterschiedlich.
  • Gemischte Signale kommen aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Im Vergleich zum letzten Quartal drehen fünf Indikatoren wie die derzeitige Geschäftslage oder Auftragsbestände ins Plus, die anderen fünf Indikatoren – insbesondere jene mit Ausblick in sechs Monaten – sind leicht im Minus.
  • Die Textilindustrie kämpft weiterhin. Gegenüber den historisch schlechtesten Konjunkturergebnissen im vergangenen Quartal haben sich bis auf die Ertragssituation in sechs Monaten alle Indikatoren zumindest geringfügig verbessert.
  • Auch wenn die Ausblicke in sechs Monaten in der Elektro- und Elektronikindustrie noch bescheiden sind, ist es trotzdem jene Branche, die sich seit der letzten Befragung am besten erholt hat. Die aktuelle Geschäftslage und Auslandsaufträge werden aktuell am positivsten im Branchenvergleich bewertet.

Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den %anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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