Spürbare Abschwächung, aber noch keine Rezession – Konjunkturimpulse und Entlastungsschritte setzen

43 Vorarlberger Unternehmen mit 26.885 Beschäftigten haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer im dritten Quartal 2019 beteiligt. Der Geschäftsklimaindex, also der Mittelwert der Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten, ergab einen spürbaren Rückgang von 30,90 auf 22,60 (siehe Grafik). Das ist der schlechteste Wert seit drei Jahren und der drittschlechteste Wert innerhalb der letzten sechs Jahre. Nur mehr knapp die Hälfte aller Unternehmen, nämlich 51 Prozent, gibt derzeit eine gute Geschäftslage an. Beim Ausblick der Geschäftslage in sechs Monaten halten sich günstigere und ungünstigere Einschätzungen die Waage.

Geschäftsklima Vorarlberg

Mathias Burtscher, Geschäftsführer der IV-Vorarlberg: „Bei den Betrieben ist quer über alle Branchen erstmals ein Dämpfer bei der aktuellen Konjunktur zu erkennen. Als sehr exportorientiertes Industrieland merken wir sofort, wenn es rund um uns dunkler am Konjunkturhimmel wird. Die andauernden Handelskonflikte zwischen den USA und China, der noch ungelöste Brexit oder der schwächelnde deutsche Industriemotor sind längst mehr als nur internationale Drohgespenster. Unsere Betriebe mit ihren Mitarbeitern schlagen sich aber nach wie vor hervorragend auf den Weltmärkten, eine Rezession ist nach aktuellem Stand noch nicht zu erwarten. Entscheidend in der jetzigen Phase ist es, dass alle Ebenen – Europa, Österreich und Vorarlberg – möglichst rasch wieder handlungsfähige Regierungen erhalten und mit Konjunkturimpulsen und Entlastungsschritten die Betriebe und ihre Mitarbeiter unterstützen“.

Die schwierigeren Rahmenbedingungen für die Betriebe zeigen sich insbesondere durch den deutlich erhöhten Druck auf die Verkaufspreise. Fast jedes dritte Unternehmen spricht von fallenden Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten und ist gezwungen Kosten einzusparen. Stabil – wenn auch nicht so positiv wie die letzten Male – zeigt sich noch der Mitarbeiterstand in drei Monaten. 18 Prozent der Unternehmen planen zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, nur zwei Prozent planen den Mitarbeiterstand zu reduzieren.

Konjunkturimpulse und Entlastungsschritte auf Bundes- und Landesebene setzen
IV-GF Burtscher: „Die Hoffnung ist groß, dass die künftigen Regierungen auf Bundes- und Landesebene die Betriebe und ihre Mitarbeiter mit Konjunkturimpulsen und Entlastungsschritten unterstützen. Eine stärkere Belastung für die Betriebe, überzogene Lohnabschlüsse oder weitere Hürden durch Auflagen wären angesichts der schwierigeren Konjunktur sehr kontraproduktiv“. Auf Bundesebene gehe es daher darum, den Faktor Arbeit bei Mitarbeitern und Unternehmen weiter zu entlasten, in den Forschungs- und Technologiestandort zu investieren sowie ein klares Bekenntnis zu einem fairen Freihandel abzugeben.

Dasselbe gelte auch auf Landesebene: „In Vorarlberg stehen wichtige Infrastruktur- und Investitionsentscheidungen der öffentlichen Hand und der Betriebe an. Ein wirtschaftsfreundlicher Zugang der neuen Landesregierung ist dabei wichtiger denn je. Das gemeinsame Interesse an einem lebenswerten und wettbewerbsfähigen Vorarlberg sollte Triebfeder in den Regierungsverhandlungen sein.“ Daneben gelte es wichtige Initiativen – wie den Markenbildungsprozess, den Aufbau eines Innovationsökosystems, ein größeres Bild bei der Raumplanung, Hochschulkooperationen und andere Bildungsinitiativen – mutig umzusetzen.

Trends in den unterschiedlichen Branchen

  • Die in Vorarlberg traditionell starke Maschinen- und Metallindustrie ist zwar noch robust, allerdings ist der Druck auf die Verkaufspreise am stärksten. Außerdem wird die derzeitige Ertragssituation deutlich negativer als noch im letzten Quartal eingeschätzt.
  • Gemischte Signale vermeldet die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Während die derzeitige Geschäftslage, der Auftragsbestand sowie die Auslandsaufträge von drei Viertel der Unternehmen noch als gut angegeben werden, ist der Ausblick auf die Geschäftslage und Ertragssituation in sechs Monaten deutlich kritischer.
  • Die Textilindustrie hat weiterhin zu kämpfen. Die derzeitige Geschäftslage wird von 62 Prozent der Unternehmen als schlecht angegeben. Lediglich die Ertragssituation in sechs Monaten lässt eine deutliche Verbesserung erhoffen.
  • Weitestgehend stabil ist noch die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Hälfte der befragten Unternehmen sieht eine gute Geschäftslage, ein Drittel benötigt weitere Fachkräfte. Allerdings sieht auch jeder fünfte Betrieb negative Signale für die Geschäftslage in sechs Monaten.

Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den %anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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