Industrie-Konjunktur robuster als erwartet

Lustenau, 25.04.2019 - „Robuster als zuletzt angenommen zeigen sich die Ergebnisse der aktuellen Industrie-Konjunkturerhebung. Trotz weiterhin starker geopolitischer Unsicherheiten, tragen in erster Linie die Auslandsaufträge zu einer nach wie vor guten Konjunktur bei“, fasst Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer, die Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2019 zusammen. „Um die heimische Industrie im härter werdenden internationalen Wettbewerb zu unterstützen, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Steuerreform, die sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter entlastet“, betont Amann.

An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung haben sich 40 Unternehmen mit insgesamt 23.464 Beschäftigten beteiligt.

Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 4. Quartal 2018 leicht verbessert. Er stieg von +30,10 auf +33,20 %-Punkte. „Ein positives Ergebnis, das so robust nicht zu erwarten war, deuteten die bisherigen Rückmeldungen doch eher auf einen Abwärtstrend hin“, betont Amann.

Die aktuelle Geschäftslage wird von 69 Prozent der befragten Unternehmen als gut bezeichnet, nur sechs Prozent sprechen von einer schlechten Situation. Getragen wird die derzeitige Konjunktur von der weiterhin erfreulich erfolgreichen Auslandsperformance der Industrieunternehmen. Für 44 Prozent sind die aktuellen Stände ihrer Auslandsaufträge gut, für 49 Prozent durchschnittlich (saisonüblich) und für nur fünf Prozent sind sie derzeit schlecht. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird als „in etwa gleichbleibend“ eingeschätzt (85 Prozent). Neun Prozent erwarten eine „günstigere“ und sechs Prozent eine „ungünstigere“ Situation. Damit stellt sich die Lage als vorerst stabil dar.

Der Mitarbeiterstand in drei Monaten bleibt nahezu unverändert. 89 Prozent der Befragten wollen ihren Mitarbeiterstand halten. Es kommt jedoch aufgrund anstehender Pensionierungen zu laufenden Nachbesetzungen, was auch das hohe Engagement der Industrie für die Lehrlingsausbildung und die HTLs erklärt.

Der Druck auf die Verkaufspreise hat sich auf hohem Niveau eingependelt. 88 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit gleichbleibenden Verkaufspreisen in drei Monaten. Nur sechs Prozent erwarten sich höhere Verkaufspreise.

20 Prozent der befragten Unternehmen sprechen von einer aktuell guten Ertragslage. Pessimistisch wird jedoch die Ertragssituation in sechs Monaten beurteilt: 28 Prozent erwarten eine schlechtere, 62 Prozent eine gleichbleibende Ertragssituation und nur neun Prozent rechnen mit höheren Erträgen.

Branchenergebnisse

Metalltechnische Industrie (Maschinen- und Metallindustrie)
Die Metalltechnische Industrie bleibt der Konjunkturmotor innerhalb der Vorarlberger Industrie. Für 73 Prozent ist die Geschäftslage aktuell gut. Erfreulich ist auch die Beurteilung der aktuellen Auslandsaufträge. 31 Prozent sprechen von einer guten Situation. Ein Blick auf die kommenden sechs Monate zeigt aber einen Rückgang bei den Erträgen. 42 Prozent beurteilen die Ertragslage in sechs Monaten als ungünstiger.

Lebensmittelindustrie (Nahrungs- und Genussmittelindustrie)
Die Geschäftslage in dieser Branche wird als aktuell überdurchschnittlich gut angesehen. 96 Prozent der befragten Unternehmen sprechen von einer guten Lage, für kein Unternehmen ist sie aktuell schlecht. Auch hier wird die gute Lage primär vom Export getragen. 76 Prozent beurteilen ihre derzeitige Auftragslage als gut. Der Mitarbeiterstand wird voraussichtlich gleich bleiben, im Durchschnitt! Dem zunehmenden Fachkräftemangel durch pensionsbedingte Abgänge wird mit einer eigenen Fachkräfteinitiative der Vorarlberger Lebensmittelindustrie gemeinsam aktiv entgegengetreten.

Textilindustrie
Weiter unter dem Durchschnitt wird die Lage im Textilbereich gesehen, wenngleich sich die Lage zumindest in manchen Unternehmen etwas entspannt haben dürfte. 15 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als schlecht, 81 als durchschnittlich (saisonüblich) und nur vier Prozent der Unternehmen als gut. Bemerkenswert sind die derzeitigen Auslandsaufträge. Für 60 Prozent sind sie aktuell gut, für kein befragtes Unternehmen schlecht. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird etwas optimistischer eingeschätzt. 20 Prozent erwarten eine günstigere Geschäftslage. 62 Prozent rechnen sogar mit einer günstigeren Ertragssituation in sechs Monaten.

Elektro-/Elektronikindustrie
In dieser Branche wird die Geschäftslage von 77 Prozent der befragten Unternehmen als gut bezeichnet und kein Unternehmen beurteilt sie als schlecht. Auch hier ist der Export maßgeblich für die erfreuliche Situation: 71 Prozent sehen ihre aktuellen Auslandsaufträge als gut an. Der Preisdruck ist in dieser Branche weiterhin hoch. In 23 Prozent der Unternehmen werden die Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten voraussichtlich fallen und in keinem einzigen werden diese steigen. Positiv sind aber die Einschätzungen für die kommenden sechs Monate. 49 Prozent erwarten eine günstigere Ertragssituation, ebenso 49 Prozent eine verbesserte Geschäftslage.

Geopolitisch weiter viel Unsicherheit
„Gerade weil der Export für unsere Konjunktur maßgeblich ist, müssen wir die geopolitische Lage, die weiterhin sehr unsicher ist, genau im Auge behalten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verbessern“, erklärt Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und knüpft daran einen klaren Appell: „Auch wenn von der Regierung an ersten wichtigen Stellschrauben gedreht wurde, wird die geplante Steuerreform – die Arbeitgebern wie Arbeitnehmern zugutekommen muss - von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes sein. Die Industrie in Deutschland hatte 2018 mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Zeitverzögert wird sich diese durch Produktionsausfälle bedingte Schwächung auch bei uns früher oder später auswirken.“

Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den %anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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