Vorarlbergs Industrie im Vergleich – Studie zeigt herausragende Bedeutung der Industrie für Vorarlberg

Lustenau, 11.09.2018 - Eine aktuelle Studie mit über 15.000 Datensätzen in der Vorarlberger Industrie zeigt, dass die Industrie der Wachstumstreiber in Vorarlberg ist und aufgrund des hohen Gehalts- und Lohnniveaus Garant für Wohlstand ist. Die Studie zeigt auch, warum oftmalige Angriffe gerade gegen die Industrie, völlig ins Leere gehen und Pauschalurteile nicht angemessen sind.

Vorarlberg Löhne und Gehälter liegen auf Höhe der Löhne und Gehälter im Ballungsraum München

Warum eine intakte Industrie für Vorarlberg so wichtig ist

Die Zahlen sind bekannt: fast 40 Prozent der Wertschöpfung in Vorarlberg kommen aus der Industrie und dem produzierenden Gewerbe. Ebenso fast jeder dritte Arbeitsplatz. Über die starke Rolle der Industrie für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze in Vorarlberg herrscht weitgehend Konsens. Die Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg wollte es aber noch genauer wissen und hat die Firma CFS Consulting (mittlerweile BWI Unternehmensberatung) beauftragt eine sehr praxisnahe Studie über die Vorarlberger Industrie zu verfassen. Der Tenor von Martin Ohneberg, Präsident der IV-Vorarlberg, ist eindeutig: „Vorarlberg ist ein Industrieland, aber es leistet noch viel mehr, als allen bekannt ist“.

CFS Consulting besitzt breites Expertenwissen zur Vorarlberger Industrie und kommt mithilfe der Auswertung von 15.000 anonymisierten Datensätzen per Ende 2017 und eingehender Recherchearbeiten zu spannenden Ergebnissen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Industrie ein wesentlicher Garant für hohe Einkommen, Aufstiegschancen und hohe qualitative Aus- und Weiterbildung ist. Die Ergebnisse verdeutlichen aber auch eindrücklich, dass sich Vorarlberg im Wettbewerb mit anderen – meist urbanen – Regionen befindet und dabei insbesondere die Industrie ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor ist“, so Michael Mall, Geschäftsführer der CFS Consulting.

Industrie bei Kollektivverträgen (KV) und Bezahlung über anderen Branchen

Oftmals wird in Zusammenhang mit Arbeitszeitdiskussionen oder anderen Arbeitnehmerdiskussionen und den jährlichen KV-Verhandlungen die Industrie genannt. Dass die Industrie jedoch jene Branche ist, die sehr mitarbeiterfreundlich ist und der KV das Mindestausmaß festlegt, tritt meistens in den Hintergrund. Ohneberg: „Den Betrieben ist bewusst wie wichtig ihre Mitarbeiter für den Erfolg des Unternehmens sind und daher werden diese gerade in der Industrie besonders gut behandelt“.

Die Gegenüberstellung eines Misch-KVs in der Industrie (Metall, Elektro, Textil, Nahrungs- und Genussmittel) mit einem Misch-KV aus Handel, Tourismus, Banken und Versicherungen spricht ein klares Bild. Fast in allen Anforderungswerten (diese beginnen bei der Hilfskraft und gehen bis zum Top-Management) liegt die Industrie über den anderen Branchen. Im Vergleich der arbeitszeitbezogenen Regelungen (Wochenende, Schichtbetriebe, …) erhöht sich der Unterschied zwischen Industrie und bspw. Tourismus auf Grund von Zuschlägen nochmals (vgl. Abbildung 1).

Hinzu kommt, dass die Industrie deutlich über dem bereits schon höheren KV als andere Branchen KVs bezahlt. Je nach konkreter Tätigkeit im Durchschnitt im angelernten Bereich 10-20 Prozent, im höherqualifizierten Bereich 20–50 Prozent und in den Spitzenpositionen beträgt die Überzahlung in der Industrie bis zu 100 Prozent. Andere Branchen zahlen nahe am KV oder nur knapp darüber (vgl. Abbildung 2).

Vorarlberger Industrie-Gehälter auf München-Niveau – trotzdem große grenzüberschreitende Unterschiede

Zu einem großen „Aha“-Effekt führte die Untersuchung der Industrie-Gehälter der Vorarlberger Industrie im Vergleich zum Ballungsraum München, als sehr attraktiver Lebens- und Arbeitsstandort. Wenn die beiden Gehaltskurven von der Industrie in Vorarlberg und vom Raum München aufeinandergelegt werden, ergeben sich nahezu keine Unterschiede. Nur bei den Top-Management-Positionen, die im Raum München noch zahlreicher sind, fällt Vorarlberg zurück (vgl. Abbildung 3). „Es zeigt sich, dass in der Vorarlberger Industrie sehr attraktive Gehaltsmöglichkeiten vergleichbar mit urbanen Räumen bestehen. Wir wissen alle, dass Gehalt nicht alles ist, aber wenn wir es schaffen, den Arbeits- und Lebensstandort Vorarlberg weiterzuentwickeln, dann haben wir im internationalen Wettbewerb viele Chancen“, so IV-Präsident Ohneberg.

In einer ehrlichen Analyse muss aber nach wie vor festgestellt werden, dass das grenzüberschreitende Arbeiten, das für Vorarlberg aufgrund der geografischen Lage eine wesentliche Rolle spielt, nach wie vor große Unterschiede aufzeigt. Viermal mehr Deutsche pendeln nach Vorarlberg, als Vorarlberger nach Deutschland. Umgekehrt pendeln 200-mal mehr Vorarlberger in die Schweiz als umgekehrt. Das hängt damit zusammen, dass die Vorarlberger Löhne und Gehälter deutlich über dem angrenzenden Deutschland liegen, aber nach wie vor unter der Schweiz. „Die Gehaltskurve der Schweiz liegt nach wie vor deutlich über jener Vorarlbergs und noch deutlicher über jener im angrenzenden Deutschland. Die sozial- und arbeitsrechtlichen Bedingungen wie Urlaubstage, Feiertage, Arbeitszeiten und versicherungstechnischen Leistungen und die höheren Lebenserhaltungskosten reduzieren diesen Unterschied zwar, auf der anderen Seite ist aber die viel geringere Steuer- und Abgabenbelastung in der Schweiz ein großer Nachteil für Vorarlberg“, so Michael Mall von CFS Consulting.

Am meisten Ausbildungs- und Aufstiegschancen in der Industrie

Dass die Industrie laut Studie mehr Karrierewege und Aufstiegschancen als andere Branchen bietet, ist wenig überraschend. Die detaillierte Analyse der 15.000 Datensätze zeigt jedoch das oft unterschätzte besondere Ausmaß in Vorarlberg. Die Möglichkeit für eine Führungskarriere, Fachkarriere und Projektkarriere ist in größeren produzierenden Unternehmen überdurchschnittlich groß, wie folgende Illustration zeigt (vgl. Abbildung 4).

Außerdem zeigt die Detailanalyse, dass die durchschnittliche Ausbildung eines Mitarbeiters in der Industrie einer Lehre mit Zusatzqualifikation oder einer höheren Ausbildung entspricht (Anforderungswert von 37,2) und damit deutlich höher als im Vergleich zu anderen Branchen ist, Tendenz in allen Branchen steigend.

Branchenmix und starke Industrie entscheidend – unsere Gehälter zahlen unsere Kunden auf der ganzen Welt!

Zusammenfassend hält IV-Präsident Martin Ohneberg fest: „Vorarlbergs Wirtschaft mit vielen international erfolgreichen Unternehmen und den Mitarbeitern ist toll aufgestellt. Es ist der Branchenmix aus einer starken Industrie, einem gut aufgestellten Dienstleistungssektor und einem bewährten Tourismus, der Vorarlberg so erfolgreich und attraktiv macht. Damit das auch weiterhin so bleibt, müssen wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es in Wirklichkeit unsere Kunden sind, die unsere Gehälter zahlen. Und gerade in einem starken Exportland wie Vorarlberg befinden sich die Kunden auf der ganzen Welt verstreut“. Die vorliegende Studie zeigt für Ohneberg, dass die Unternehmen und die Mitarbeiter einen tollen Beitrag leisten. Für die Zukunft gilt es weltoffen zu bleiben und im Interesse aller die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen: „Auf Bundesebene sollte die Reduktion der Steuer- und Abgabenbelastung und die Entbürokratisierung jetzt offensiv angegangen werden. Auf Landesebene müssen wir alles daransetzen, dass wir uns im internationalen Standortwettbewerb noch gezielter und moderner positionieren, Lösungsansätze haben wir im Zukunftskonzept ‚Vorarlbergs urbaner Weg‘ aufgezeigt“.

Zur Studie: Für die Studie wurde von CFS Consulting GmbH (mittlerweile BWI Unternehmensberatung GmbH) mit Sitz in Dornbirn das Datenmaterial von über 15.000 Personen in Vorarlberg anonym ausgewertet. Alle anderen Daten sind öffentlich zugängliche Statistiken (v.a. Statistik Austria).

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