Gute Industriekonjunktur durch mutige Standortpolitik unterstützen

„Es läuft großteils gut bei unseren Betrieben in der Vorarlberger Industrie. Damit das auch so bleibt, brauchen wir gerade in Wahlkampfzeiten und auch danach deutlich mutigere standortpolitische Weichenstellungen“, fasst Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen. Eine zusätzliche Mitgliederbefragung zur österreichischen Innenpolitik unterstreicht das Potential für den Wirtschaftsstandort.

IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher (l.), IV-Präsident Martin Ohneberg und Sparten-GF Michael Amann (r.) bei der Präsentation der Ergebnisse zur aktuellen Industriekonjunktur und IV-Mitgliederbefragung.

43 Vorarlberger Unternehmen mit fast 23.000 Beschäftigten haben sich an der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung und der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer im zweiten Quartal 2017 beteiligt.

Der Geschäftsklimaindex der Vorarlberger Industrie – also der Mittelwert der Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten – blieb bei 39,50 nahezu unverändert. „Die Industrie ist und bleibt der Wachstumsmotor und sichert damit den Wohlstand in Vorarlberg. Sowohl Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge werden positiver als zu Jahresbeginn eingeschätzt. Obwohl der positive Ausblick der Geschäftslage in 6 Monaten rückgängig ist, können wir noch immer von einem hohen Niveau sprechen“, so IV-Präsident Martin Ohneberg. 70 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut. Jedoch nur mehr 12 Prozent der Unternehmen gehen von einer noch besseren Geschäftslage in 6 Monaten aus, im ersten Quartal des Jahres waren das noch 21 Prozent. Auffallend seien laut Ohneberg bei den aktuellen Ergebnissen die großen Unterschiede nach Branchen.

Stabiler wie noch bei den letzten Umfragen zeigen sich die Erwartungen zu den Verkaufspreisen. 89 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sich gleichbleibende Verkaufspreise in 3 Monaten. Dementsprechend stabil wird auch die derzeitige Ertragssituation eingeschätzt, die für weitere Investitionen von großer Bedeutung ist. Der Ausblick der Betriebe zu ihrem Beschäftigtenstand in drei Monaten bleibt erfreulich, über ein Drittel der Unternehmen können sich vorstellen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Ohneberg: „Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter ist in Vorarlberg voll im Gange. Das ist positiv für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber gleichzeitig auch gefährlich für die Unternehmen, wenn sie Schüsselpositionen nicht besetzen können. Zusätzliche Initiativen um qualifizierte Mitarbeiter von Außen anzuwerben und selber auszubilden sind für den Industriestandort Vorarlberg ein Gebot der Stunde.“

Die Branchenergebnisse im Detail

Die Maschinen- und Metallindustrie gibt den positiven Trend bei der Vorarlberger Industriekonjunktur vor. Der Saldo von „Gut“ und „Schlecht“ wird bei keinem Indikator negativ beurteilt. Insbesondere positiv werden die aktuelle Geschäftslage, der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge beurteilt. „Erfreulich ist vor allem, dass 61 Prozent der Unternehmen in den nächsten drei Monaten planen neue Mitarbeiter einzustellen, wenn sie denn welche finden“, so IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher.

Unterschiedliche Signale kommen aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Lichtblick sind die derzeit gute Geschäftslage und die Auslandsaufträge. Bei den Verkaufspreisen zeichnet sich eine Entspannung ab, ein Drittel der Betriebe rechnet damit die entstandenen Mehrkosten durch höhere Verkaufspreise abdecken zu können. Trotzdem schätzen die Betriebe die Geschäftslage in 6 Monaten zurückhaltender wie noch zu Beginn des Jahres ein. Beim Beschäftigtenstand in den Unternehmen sind keine Schwankungen zu erwarten.

Ein aktuell leider düsteres Bild mit besserem Ausblick zeigt die Textilindustrie. Die aktuelle Geschäftslage und Ertragssituation wird negativer als im ersten Quartal eingeschätzt. „Hoffnung bringt der Blick in die Zukunft. Über die Hälfte der Unternehmen erwarten sich eine bessere Geschäftslage in 6 Monaten und eine bessere Ertragssituation“, so Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der WKV.

Aus der Elektro- und Elektronikindustrie sind durchwachsene – großteils aber positive – Signale zu vernehmen. Der Großteil der befragten Unternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage und die Auslandsaufträge sowie den Ausblick in die nächsten 6 Monate gleichbleibend oder positiv. Trotzdem geben jeweils 18 Prozent aktuell weniger Auslandaufträge, fallende Verkaufspreise und ein Sinken des Beschäftigtenstands in 3 Monaten an.

Ergebnisse der Mitgliederbefragung zur österreichischen Innenpolitik

In einer getrennten Umfrage wurden die Mitglieder der Industriellenvereinigung Vorarlberg im April zur österreichischen Innenpolitik und zum Wirtschaftsstandort Österreich und Vorarlberg befragt. 61 Vorarlberger Betriebe – also rund ein Drittel – haben teilgenommen.

Geringes Vertrauen in die Bundespolitik – Bundesland schneidet besser ab
Auf die Frage, wie zufrieden die Vorarlberger Unternehmen mit dem Wirtschaftsstandort Österreich sind, geben 7 Prozent der Mitglieder sehr zufrieden, 54 Prozent zufrieden und 34 Prozent weniger zufrieden an. Auf die Frage, wie zufrieden die Mitglieder mit der österreichischen Bundesregierung sind, ist das Ergebnis noch fataler. Niemand gibt an sehr zufrieden zu sein, 7 Prozent sind zufrieden, 56 Prozent sind weniger zufrieden und 31 Prozent sind gar nicht zufrieden. Hinzu kommt, dass die Werte im Vergleich zu den letzten Umfragen deutlich abnehmend sind.

Mit dem eigenen Bundesland – also Vorarlberg – sind die Mitglieder deutlich zufriedener. 38 Prozent sind sehr zufrieden, 44 Prozent sind zufrieden, 11 Prozent sind weniger zufrieden. Allerdings haben auch diese guten Werte im Zeitverlauf eine negative Tendenz, die es durch eine mutige Standortpolitik zu verbessern gilt.

Schwerpunkte an die neue Regierung
Die Einschätzung der Mitglieder auf die Frage, für welche Themen sich die IV gegenüber der Bundesregierung einsetzen soll, ist für Martin Ohneberg gleichzeitig auch der Wunsch der Industrie an die neue Bundesregierung. Am häufigsten genannt wurden – nach Priorisierung – der Bürokratieabbau, Arbeitszeitflexibilisierung, Steuern, Fachkräfte und Lohnnebenkosten. „Nur wenn diese Themen angegangen werden, können wir die gute aktuelle Konjunktur in einen anhaltenden Aufschwung überführen. Der Wirtschaftsstandort Österreich hat mehr Potential, auf Bundesebene lautet unsere Divise daher:

  • Weltoffen & Europäisch => Agieren
  • Arbeit => Modernisieren
  • Abgaben & Verwaltung => Reduzieren
  • Infrastruktur & Energiesystem => Optimieren
  • Innovation & Bildung => Investieren“

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