„Ja“ zum Raumbild 2030, aber „Nein“ zum Einfrieren des Status quo

Lustenau, 14.09.2018 - Nach detaillierter Analyse des Begutachtungsentwurfs des Raumbild 2030 findet die IV-Vorarlberg lobende Worte für die Intention und viele Handlungsempfehlungen des Raumbild 2030.

IV-Präsident Martin Ohneberg

Gleichzeitig warnt die IV-Vorarlberg davor, das Raumbild 2030 zum Einfrieren des Status quo zu verwenden oder zu missinterpretieren. Martin Ohneberg, Präsident der IV-Vorarlberg: „Der Wirtschafts-, Arbeits-, Wohn- und Lebensstandort braucht – in einer ausgewogenen Balance mit der Natur – räumliche Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft. Das ist für die heimische Bevölkerung, potentielle Fachkräfte von Außen und die hier ansässigen Betriebe von essentieller Bedeutung. Die anderen Regionen schlafen nicht.“

Strukturelle Stoßrichtung begrüßenswert

Die strukturellen Vorschläge im Raumbild-Entwurf begrüßt der IV-Präsident: „Sehr positiv ist, dass der politische Wille zur Übernahme von mehr Verantwortung und Steuerung durch das Land eindeutig erkennbar ist. Auch die Intention, die Raumplanung in neun Handlungsräumen (Rheintal, Walgau, Leiblachtal, Bregenzerwald, Montafon, Klostertal und Arlberggebiet, Großes Walsertal, Brandnertal, Kleines Walsertal) gemeindeübergreifend zu organisieren, ist richtig und deckt sich mit unserem Konzept ‚Vorarlbergs urbaner Weg‘. Selbstverständlich kommt den Gemeinden in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Land weiterhin eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung eines lebenswerten und wettbewerbsfähigen Standorts zu.“

Kein Einfrieren der Landesgrünzone

Ohneberg bekräftigt nochmals, dass der Industrie sehr viel an einer intakten Natur in einer guten Balance mit einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort liege. Allerdings seien in vielen Handlungsempfehlungen des aktuellen Raumbild-Entwurfs die Anliegen der Natur, Umwelt und Landwirtschaft gegenüber den Interessen der Bevölkerung in Punkto Wohnraum, öffentlicher Raum und Arbeitsplätze und gegenüber jenen der Betriebe deutlich zu prominent vertreten: „Hier gilt es nachzubessern. Es kann nicht sein, dass mit dem Raumbild 2030 beispielsweise versucht wird, die Landesgrünzone im Rheintal und Walgau bis 2030 einzufrieren und nur in ganz wenigen Ausnahmefällen anzutasten. Die Landesgrünzone war nie als Tabuzone konzipiert, nach 40 Jahren ist es an der Zeit, strategisch eine Überarbeitung der Landesgrünzone vorzunehmen. Einige Gebiete bieten sich zur Weiterentwicklung im Sinne von Betrieben, Wohnraum und öffentlichem Raum an, andere Gebiete sollten im Gegensatz dazu bewusst geschützt werden. Diese Diskussion ist überfällig, die Überlegungen des Landes mit einem eigenen Bodenfonds einzugreifen, müssen vertieft werden.“

Erhöhung der gegenseitigen Toleranzschwelle

Wünschenswert wäre es laut dem IV-Präsidenten aus Vorarlberg auch, die anstehenden Fragestellungen im Bereich der Mobilität des Personen- und Güterverkehrs prominenter zu verankern. Ebenso müsse das gemeinsame Tragen des Raumbilds auch mehr Akzeptanz und Verständnis bei Nutzungskonflikten bedeuten: „Wir müssen die Diskussion ehrlich führen. Eine verstärkte Innenentwicklung, mehr Höhe und Dichte oder der Schutz der Natur in definierten Zonen, wird auch zu mehr Nutzungskonflikten in dichter besiedelten Zonen führen. Wenn gewisse Nutzungskonflikte in Zukunft nicht in Kauf genommen werden, droht Stillstand. Und wer ernsthaft Vorarlberg nicht mehr als Wachstumsregion sehen will, ist sich der gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen nicht bewusst. Es gilt die Toleranzschwelle gegenseitig im Sinne des großen Ganzen ein wenig zu erhöhen.“

Die ausführliche Stellungnahme der IV-Vorarlberg im vorgegebenen Fragebogenformular finden Sie nachfolgend.

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