Ohneberg/Comploj: Vorarlberger Industrie stark von Corona-Krise betroffen

Unsere Mitarbeiter helfen das Land am Laufen zu halten – Was der Produktionsstandort jetzt braucht

Martin Ohneberg und Markus Comploj

„Jeder vierte Betrieb in der Vorarlberger Industrie produziert aktuell unter 80 Prozent und Unsicherheiten erschweren die Prognosen bei vielen Betrieben. Trotzdem ist beeindruckend, wie robust sich unsere Industrie darstellt und wie unsere Mitarbeiter helfen das Land am Laufen zu halten“, so fassen der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg, Martin Ohneberg, und der Industriespartenobmann in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV), Markus Comploj, die gemeinsam durchgeführte Blitzumfrage in der Vorarlberger Industrie zusammen. Insgesamt 67 Betriebe haben bis vergangenen Sonntag an der Blitzumfrage teilgenommen und die aktuellen Herausforderungen rückgemeldet. Die Ergebnisse der Blitzumfrage und Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise waren auch Basis eines ausführlichen Arbeitsgesprächs von Ohneberg und Comploj, das gestern mit Wirtschaftslandesrat Marco Tittler stattfand.

Aktuelles Stimmungsbild
Positiv lässt sich aus der Blitzumfrage festhalten, dass drei von vier Betrieben aktuell über 80 Prozent im Vergleichszeitraum zum Vorjahr produzieren, angesichts der aktuellen Herausforderungen und jener der vergangenen Monate ist das ein hoher Wert, auch wenn einige Betriebe besonders negativ betroffen sind. Auch bis Jahresende soll dieses Niveau trotz neuerlicher Verschärfung gehalten werden. Die positivsten Rückmeldungen kommen dabei aus der Verpackungs-, Lebensmittel- sowie Bau- und Rohstoffbranche. Beim Ausblick des Auftragseingangs für das erste Halbjahr 2021 werden allerdings die Auswirkungen der Covid-Krise bemerkbar: 46 Prozent der Betriebe geben den Auftragseingang „schlechter als im Vorjahr“ an, 45 Prozent „ähnlich wie im Vorjahr“ und nur 9 Prozent „besser als im Vorjahr“.

Ohneberg zur Krisenpolitik: Bemüht, aber wir brauchen eine wirtschaftsfreundliche Gesamtstrategie
Bei der Frage der aktuellen Krisenpolitik in Vorarlberg und Österreich geben 72 Prozent der Betriebe an, dass sie „mittel zufrieden“ sind. Während in Vorarlberg noch 13 Prozent sehr zufrieden sind, schwindet die Anzahl der sehr Zufriedenen mit der Krisenpolitik in Österreich auf 6 Prozent. IV-Präsident Ohneberg: „Wir sehen das Bemühen im Land Vorarlberg und in Österreich und haben auch ein gewisses Verständnis für die schwerwiegenden Entscheidungen. Aber wir erhalten viele Rückmeldungen aus den Betrieben, dass die Systeme überlastet sind, zu wenige Vorkehrungen getroffen wurden und zu spät reagiert wurde. Unser Blick gilt jedoch der Zukunft und dabei ist es entscheidend, dass die Grenzen weiter offengehalten werden. Daneben brauchen wir eine wirtschaftsfreundliche Gesamtstrategie statt wiederkehrenden Schocktherapien, bis der hoffentlich möglichst rasch verfügbare Impfstoff in der Breite wirkt und wir alle erstmals durchatmen können."

Comploj zu aktuellen Hindernissen: Vorgänge bei Tests, Absonderungen und Betreuungseinrichtungen optimieren
Als größte Hindernisse für die volle Produktion geben die Betriebe insbesondere Maßnahmen rund um Testungen und Absonderungen an. Fast jeder zweite Betrieb sieht in den abgesonderten Mitarbeitern und zu langen Absonderungszeiten (ohne Erkrankung) das größte Risiko für den eigenen Betrieb. Danach folgen die geringere Kundennachfrage, zu lange Testzeiten des öffentlichen Systems, schlechte Planbarkeit und an Corona erkrankte Mitarbeiter. Industriespartenobmann Comploj: „Die Betriebe nehmen mit umfassenden Sicherheitskonzepten ihre Verantwortung für die Mitarbeiter sehr ernst. Infektionen finden kaum in Betrieben, sondern im privaten Umfeld statt. Was die Betriebe aber trotzdem für ihre Mitarbeiter dringend brauchen, sind schnellere Testergebnisse, mehr Akzeptanz von Antigentests und kürzere Absonderungen. Außerdem ist mit den kürzlichen Verschärfungen an den Schulen eine riesige Herausforderung für Mitarbeiter, Eltern und Kinder gleichzeitig entstanden, die wir nur durch ein weiterhin intaktes Betreuungsangebot bewältigen können."

Ohneberg/Comploj: Investitionsplanungen als Gradmesser für 2021
Ein wichtiger Gradmesser für die Zukunft sind die Einschätzungen der Betriebe zu ihren Investitionsplanungen infolge der Krise. Dabei zeigt sich, dass 58 Prozent der Betriebe ihre eigenen Investitionsplanungen für das erste Halbjahr 2021 sehr oder mittel betroffen sehen. 42 Prozent sehen diese wenig betroffen. Das zeigt für IV-Präsident Ohneberg und Industriespartenobmann Comploj: „Corona wird uns noch länger beschäftigen und wir müssen alle lernen, damit umzugehen. Die Vorarlberger Industrie wird das weiterhin sehr verantwortungsvoll tun und als größter Arbeitgeber und Wertschöpfungsmotor im Land zur Bewältigung der Krise tatkräftig beitragen.“

Aufbereitete Grafiken zur Blitzumfrage können Sie hier downloaden.

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