EU-Wahl 2014: Wir brauchen einen Pakt für Europa

Europa wählt … und niemanden interessiert’s? Schade, denn vielen Menschen ist nicht bewusst, dass jeder einzelne Bürger – auch jeder Vorarlberger – in Summe Nutznießer der Europäischen Union ist; z.B. durch eine bessere Lebensqualität, offene Grenzen oder mehr Wirtschaftskraft. Auch viele österreichische Unternehmen hätten sich ohne österreichischer EU-Mitgliedschaft nicht so entfalten können, wie sie es für sich und ihre Mitarbeiter geschafft haben. Und schade finde ich auch, dass die Parteien und die Öffentlichkeit das Thema Europa erst vier Wochen vor den EU-Wahlen ernsthaft kommunizieren. Europa findet täglich statt und sollte dementsprechend auch täglicher Schwerpunkt politischer und medialer Arbeit sein.
Hubert Bertsch

Seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 sind die Exporte in die EU um 250 Prozent gestiegen. Österreichweit gehen derzeit rund 70 Prozent aller Exporte in EU-Mitgliedsländer. Vorarlberger Unternehmen haben 2012 Waren im Wert von rund 4,9 Mrd. Euro in die EU exportiert, das entspricht 35 Prozent aller im Land produzierten Waren und Dienstleistungen. Dies ist auch ein maßgeblicher Grund für die im Vergleich noch sehr niedrige Arbeitslosigkeit im Ländle. Schon diese wenigen positiven Beispiele müssten Grund genug sein, dass wir alle die Zukunft der EU mitgestalten wollen und nicht nur über die EU schimpfen sollten.

Mitgestalten heißt aber auch Kritik zu üben, wenn sich Entwicklungen in die falsche Richtung bewegen. Denn nur in einem wettbewerbsfähigen Europa können Vorarlberger Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand im Sinne ihrer Mitarbeiter sichern. Wir sind derzeit aber weit von der propagierten Re-Industrialisierung und dem angepeilten EU-Ziel von einer Industriequote von 20 Prozent entfernt. Die Vorarlberger Industrie liegt mit ihren 56.000 Beschäftigten zwar deutlich über dem EU- und auch über dem Österreichschnitt. Aber auch bei uns gilt: Wenn unsere Vorarlberger Unternehmen weiterhin Arbeit, soziale Sicherheit und Wachstum sicherstellen sollen, müssen standortfeindliche Entscheidungen und die drohende schleichende Abwanderung von Unternehmen gestoppt werden.

Daher fordert die Industrie einen Pakt für Europa in dem sichergestellt wird, dass die industrielle Wertschöpfung – das Rückgrat unserer Volkswirtschaft – gestärkt wird. Seit Jahren sinkt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und das hat Folgen: Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der EU an der weltweiten industriellen Wertschöpfung von 25,7 Prozent auf 20,8 Prozent gesunken. Hier müssen wir dringend gegensteuern, vor allem wenn man bedenkt, dass die europäische Industrie für insgesamt 52 Millionen Arbeitsplätze verantwortlich zeichnet.

Vergessen wir aber nicht, wir stehen im internationalen Wettbewerb! Die Antwort auf die Gretchenfrage lautet also: die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit und die Etablierung eines Industriebewusstseins muss oberste Priorität der EU und ihrer Mitgliedsstaaten werden. Wir brauchen eine Stabilisierung der Währungsunion, eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und eine Reduktion der Überregulierung. Und hier sind vor allem die konstruktiven EU-Politiker in der Pflicht, die etwas gestalten wollen und die sich nicht in Brüssel verstecken oder nur die negative Schlagzeile suchen und Österreich gegen Europa ausspielen. Es geht darum aktiv am Parkett in Vorarlberg, in Österreich und in ganz Europa für ein wettbewerbsfähiges Europa zu kämpfen – im Sinne von uns allen.

Europa ist noch ein Akteur in der Welt, aber nur gemeinsam können wir das auch bleiben. Mit nur sieben Prozent der Weltbevölkerung produzieren wir noch etwa 25 Prozent des weltweiten BIPs und damit unseren Wohlstand vor der Türe. Jeder ist aufgerufen am 25. Mai „Europa“ zu wählen und mit seiner Stimme das beste Programm für ein starkes, wettbewerbsfähiges und damit gemeinsames, soziales Europa zu unterstützen.

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild